Wagner, Richard – Das Rheingold

Wagner, Richard - Das Rheingold

seit dem “Jahrhundert-Ring” von Cherau ist die Aktualisierung der Ring-Handlung mit Bildern aus der Entstehungszeit dem 19. Jh. fester Glied der Wagner-Rezeption. Die Umstellung der Stuttgarter Staatsoper ist so spannend und so stimmig dass nur die ewig Gestrigen unter den Wagnerianern über die angeblich falsch dargestellten Riesen und Götter jammern können. Der Spielleiter Joachim Schlömer der vom Tanztheater kommt findet für das gewaltige Aufruf an Göttern im Rheingold eine beeindruckende Durchführung in der jede Figur individuell gezeichnet ist und sich überzeugend in ein Gesamttableau einfügt. bereits das Einheitsbühnenbild ein leicht heruntergekommenes Badeort des 19. Jahrhunderts macht deutlich dass hier eine Gro die Epoche ihrer Hochblüte beendet genau so wie es sich Wagner für die Götterwelt gedacht hat. Die Konflikte und Gefühlsregungen der einzelnen Personen werden von den Sänger-Darstellern nicht nur dargestellt sondern verkörpert. Es wäre ungerecht einzelne hervorzuheben.

Mir persönlich gefällt dieses Vorspiel der Stuttgarter Ring-Trilogie (für die anderen Teile ist jeweils ein anderer Regisseur verantwortlich – Nel Wieler Konwitschny) am besten. Musiziert wird auf höchstem Niveau. Das Klangbild (übrigens auch in der Stuttgarter Singspiel vor Ort) ist transparent die Partitur klar im Vordergrund. Die optische Vorbereitung (unverändert bereits auf “arte” übertragen) makellos. Nur hat man eben auf der DVD auch noch den besseren Ton (Dolby 5.1 und DTS).

Für jeden Wagner-Begeisterten der die Übertragung auf “arte” versäumt hat ein Muss!

Super geil!

Die Inszenierung überzeugt durch das technische Höhe ebenso wie durch die Lehre vom Licht die auf Extreme und bloße Sensationsmache verzichtet.
Die Szene zeigt den Platz im Innern eines größeren Gebäudes in dessen medial ein Quelle zum Mittelpunkt der Rheintöchter-Scherzerei wird. ein Balkon dient als Wohnraum der Götter. auch die weiteren Szenen finden in diesem Aufbau statt durch die Licht verfremdet.
Bauten und Kostüme erinnern an die 20er bis 50er Jahre ganz genau ist dies nicht gekennzeichnet. So entsteht der Eindruck des Alten aber ohne den Historismus vergangener Zeiten. Als ich nach dieser Stuttgarter Inszenierung eine Rheingold-DVD von der historisierenden New Yorker Inszenierung von vor 15 jähren gesehen habe kamem mir gerade die Fantasie-Kostüme abstoßend vor stellenweise ein wenig lächerlich. das hat vielleicht damit zu tun dass das Theater (und die Oper) mit Schminke und allem drum und dran aus einer filmlosen Zeit stammen. dieser Tage ist man bei solchem Themen-Hintergrund an die Hollywood-Effekte gewöhnt; die historisierende Wagner-Aufführung wirkt daher schnell altmodisch. schlie ist es auch eine Geschmackssache.
Die DVD hat Untertitel in mehreren Sprachen (auch Deutsch) dazu kann man zusätzliche “Obertitel” einschalten. ein insgesamt sehr erfreuliche Produktion die einen dazu einlädt sich auf diese schwer erschließbare Oper einzulassen.

Was will man mehr?

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